Montag, 7. September 2026 · Reiseweg info@reiseweg.at
Nachbarländer

Berchtesgadener Land: Der schönste Umweg zwischen Salzburg und dem Nichts

31. Juli 2026

Auf der Landkarte sieht es aus wie ein Fehler. Das Berchtesgadener Land ragt in Österreich hinein wie ein Keil, umgeben von Salzburg, dem Salzkammergut und Tirol, verbunden mit dem restlichen Bayern nur über einen schmalen Streifen im Norden.

Für Reisende aus Österreich heißt das vor allem: Es ist näher als vieles im eigenen Land.

Der Königssee, und wie man ihn erträgt

Ende Juli ist am Königssee die Hölle los. Das muss man wissen, bevor man hinfährt, sonst ist der Tag ruiniert.

Der See selbst ist zweifellos spektakulär: knapp acht Kilometer lang, an manchen Stellen über 190 Meter tief, eingeklemmt zwischen Steilwänden, die fast senkrecht aus dem Wasser gehen. Er darf nur mit Elektrobooten befahren werden, seit über hundert Jahren, was ihn erstaunlich still macht.

Der Trick heißt: erstes Boot. Die Schifffahrt beginnt am Vormittag, und wer beim ersten oder zweiten Kurs dabei ist, hat die Wallfahrtskirche St. Bartholomä mit ihren roten Zwiebeltürmen halbwegs für sich. Ab elf Uhr fahren die Reisebusse ein.

Auf halber Strecke stoppt das Boot, und ein Bootsmann spielt Flügelhorn gegen die Felswand, damit man das Echo hört. Das ist Kitsch, das wissen alle, und es funktioniert trotzdem jedes Mal.

Der Obersee, den viele auslassen

Von St. Bartholomä fährt das Boot weiter nach Salet. Von dort geht man rund fünfzehn Minuten über eine Moräne, und dahinter liegt der Obersee: kleiner, stiller, mit dem Röthbachfall, dem höchsten Wasserfall Deutschlands, der über vierhundert Meter herabkommt.

Der Uferweg zur Fischunkelalm ist schmal, teils über Felsplatten, und bei Nässe rutschig. Er ist kurz, aber nicht harmlos. Trittsicherheit ist Voraussetzung, und mit kleinen Kindern an der Hand geht man ihn besser nicht.

Der Nationalpark meint es ernst

Der Nationalpark Berchtesgaden ist der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands, und die Regeln sind streng: Wege nicht verlassen, keine Drohnen, Hunde an der Leine, kein Zelten, kein Feuer.

Der Watzmann darüber ist einer der ernstesten Berge der Ostalpen. Die Watzmann-Ostwand ist mit rund 1800 Metern die höchste Wand der Ostalpen und hat eine lange, traurige Unfallgeschichte. Auch die Watzmann-Überschreitung ist keine Wanderung, sondern eine ausgesetzte Klettersteigtour für erfahrene Bergsteiger mit Kopf für Höhe.

Für alle anderen gibt es genug: den Weg zur Kührointalm, die Runde zum Hintersee mit dem Zauberwald, die Jenner-Bergbahn, von der aus man auf den ganzen See hinunterschaut.

  • Im Hochsommer bilden sich hier ab dem frühen Nachmittag verlässlich Gewitter. Vormittags gehen, mittags oben sein, nachmittags unten.
  • Bergnotruf in Deutschland: 112. In Österreich zusätzlich 140 für die Bergrettung.
  • Die Bergbahnen fahren nach Saisonzeiten und stellen bei Gewitter den Betrieb ein. Wer oben ist, kann dann auf den Abstieg angewiesen sein.

Der andere Teil der Geschichte

Am Obersalzberg oberhalb von Berchtesgaden stand ab den 1930er-Jahren der zweite Regierungssitz des NS-Regimes. Was heute davon übrig ist, wird in der Dokumentation Obersalzberg aufgearbeitet, sachlich und ohne jeden Schauwert.

Das sogenannte Kehlsteinhaus darüber wird von vielen als Aussichtspunkt besucht, und die Straße samt Messingaufzug ist ein technisches Kuriosum. Wer hinauffährt, sollte wissen, was er da besucht. Die Dokumentation vorher zu besuchen, macht den Unterschied.

Die Ramsauer Ache und das meistfotografierte Kirchlein Deutschlands

In Ramsau steht die Pfarrkirche St. Sebastian mit dem Wildbach davor und dem Watzmann dahinter. Wer je einen Kalender mit deutschen Landschaften gesehen hat, kennt dieses Bild.

In der Realität steht man auf einer kleinen Brücke, es sind zwölf andere Leute da, und das Wasser ist unglaublich laut. Der Trick ist auch hier die Uhrzeit: früh am Morgen oder in der Abenddämmerung.

Von Ramsau aus führt der Weg weiter in die Wimbachklamm, eine kurze, sehr eindrucksvolle Schlucht mit Stegen über dem Wasser. Es geht in etwa zwanzig Minuten hindurch, und dahinter öffnet sich das Wimbachgries, ein breites Schuttfeld zwischen Watzmann und Hochkalter, das aussieht, als hätte jemand einen Berg ausgeschüttet.

Anreise

Von Salzburg Hauptbahnhof fährt der Bus 840 nach Berchtesgaden, Fahrzeit rund fünfzig Minuten bis eine Stunde. Von dort geht es mit dem Regionalbus weiter zum Königssee, zum Hintersee und in die Ortsteile.

Das österreichische Klimaticket gilt in Bayern nicht. Es gibt aber regionale bayerische Tagestickets, die günstig sind, und viele Unterkünfte geben eine Gästekarte aus, mit der die örtlichen Busse inkludiert sind.

Wer mit dem Auto kommt: An Sommerwochenenden sind die Parkplätze am Königssee bis Vormittag voll. Dann steht man in der Schlange, statt am Wasser.

Ein Vorschlag für den Abend

Fahren Sie am späten Nachmittag zum Hintersee. Die Tagesgäste sind weg, das Wasser wird türkis bis grün, und der Zauberwald daneben besteht aus moosüberwachsenen Felsblöcken eines uralten Bergsturzes.

Es riecht nach nassem Stein. Es ist kühl. Und man versteht, warum die Maler des 19. Jahrhunderts dauernd hierhergekommen sind.

Schlagwörter: , , ,

Das könnte Sie auch interessieren