Es gibt diesen Moment am Bahnsteig, wenn die Anzeige „Verspätung 20 Minuten“ zeigt, die Sonne senkrecht steht und der Beton unter den Schuhen Wärme abgibt wie eine Herdplatte. Und dann kommt der Zug, und die Klimaanlage im dritten Waggon ist ausgefallen.
Das ist kein Ausnahmefall mehr. Wien hat inzwischen regelmäßig über zwanzig Hitzetage pro Sommer, im Osten Österreichs sind Werte über fünfunddreißig Grad im Juli keine Sensation.
Die Uhrzeit ist wichtiger als das Ziel
Das ist der wirksamste Hebel, und er kostet nichts. Verschieben Sie alles Anstrengende in die Randzeiten. Aufbrechen um sechs, zwischen zwölf und siebzehn Uhr nichts tun, ab achtzehn Uhr wieder los.
Das klingt banal und wird trotzdem ständig ignoriert, weil man ja „den Tag nützen“ will. Ein Stadtrundgang um vierzehn Uhr im Juli ist kein genützter Tag, sondern eine Bestrafung.
Der Nebeneffekt: Um sieben Uhr früh sind der Stephansdom, die Salzburger Altstadt und der Uferweg in Hallstatt praktisch leer. Man sieht die Orte, wie sie ohne Publikum aussehen.
Zug fahren, konkret
Ein paar Dinge, die im Sommer real helfen:
- Reservieren Sie einen Platz auf der Schattenseite. Bei Nord-Süd-Strecken heißt das am Nachmittag: Ostseite. Klingt kleinlich, macht mehrere Grad aus.
- Wagenreihung anschauen. Die Waggons am Zugende sind auf vielen Verbindungen weniger voll.
- Eine leere Flasche mitnehmen und an Bahnhöfen füllen. Wiener Leitungswasser kommt aus den Hochquellenleitungen und ist besser als das meiste in Flaschen.
- Bei Ausfall der Klimaanlage: Beim Zugpersonal melden. Es gibt intern klare Vorgaben, und manchmal wird ein Waggon gesperrt und die Leute umverteilt.
Und wenn Sie mit dem Auto fahren: Die Nachmittagsstunden auf der Tauernautobahn oder der A1 an einem Samstag im Juli sind der schlechteste Ort, an dem man bei fünfunddreißig Grad sein kann. Nachts fahren ist nicht nur schneller, es ist auch erheblich angenehmer.
Wohin, wenn es unten unerträglich ist
Die Faustregel: Pro hundert Höhenmeter kühlt es um etwa 0,6 bis ein Grad ab. Achthundert Meter höher sind also gut fünf Grad weniger, und im Schatten eines Waldes noch einmal deutlich mehr.
Konkret heißt das: Statt in Wien zu bleiben, fahren Sie ins Höllental oder auf die Rax. Statt an einen überfüllten See in Kärnten, an einen Bergsee im Salzkammergut. Der Almsee, der Gosausee, der Vorderer Gosausee mit dem Dachstein dahinter – alle über 900 Meter, alle mit kaltem Wasser.
Für einen Tag ohne Anstrengung: die Klammen. Die Liechtensteinklamm im Pongau, die Rappenlochschlucht in Vorarlberg, die Wolfsklamm in Tirol. Dort ist es auch im Juli spürbar kühler, das Wasser rauscht, und die Wege sind auf Stegen angelegt. Achtung: Klammen werden bei Starkregen und Gewitter gesperrt, und das aus sehr guten Gründen.
Die Stadt bei Hitze: was tatsächlich kühl ist
Wien hat mittlerweile ein Netz an sogenannten Cooling Zones, an Trinkbrunnen und Nebelduschen, die im Sommer in Betrieb sind. Das hilft ein bisschen. Deutlich mehr hilft, zu wissen, welche Orte von sich aus kühl sind.
Kirchen. Der Stephansdom hat auch bei fünfunddreißig Grad draußen eine Innentemperatur, bei der man wieder atmen kann. Dasselbe gilt für die Karlskirche, die Michaelerkirche und praktisch jede alte Steinkirche im Land.
Dann die Museen, weil sie klimatisiert sein müssen, um die Bestände zu schützen. Und die Parks mit altem Baumbestand: der Augarten, der Türkenschanzpark, der Schlosspark Schönbrunn abseits der Hauptachse. Unter einer alten Platane sind es messbar mehrere Grad weniger als auf dem Asphalt hundert Meter weiter.
Der Körper, kurz und ohne Belehrung
Trinken bevor Sie Durst haben, weil das Durstgefühl bei Hitze verzögert kommt. Salz nicht vergessen – wer viel schwitzt und nur Wasser trinkt, bekommt Kopfweh und Krämpfe. Eine Suppe, eine gesalzene Brezn, eingelegte Gurken, alles gut.
Achten Sie auf ältere Mitreisende und auf Kinder. Beide regulieren Hitze schlechter, und beide sagen es nicht rechtzeitig.
Warnzeichen für einen Hitzschlag: heiße, trockene Haut, Verwirrtheit, Übelkeit, Kopfschmerz. Das ist ein Notfall, kein Grund für eine Pause. Kühlen, hinlegen, Beine hoch, 144 rufen.
Was ich mir selbst angewöhnt habe
Ein feuchtes Tuch im Sackerl. Klingt nach Großmutter, funktioniert besser als jeder Handventilator. Im Nacken aufgelegt, zehn Minuten, und man ist wieder ansprechbar.
Und die zweite Sache: nichts zu planen. Ein Juli-Reisetag mit drei Programmpunkten geht nicht gut aus. Ein Programmpunkt am Vormittag, dann irgendwo sitzen, wo es Schatten und ein Getränk gibt, und schauen, was passiert.
Die schönsten Sommertage sind ohnehin die, an denen man um acht Uhr abends noch draußen sitzt und die Luft endlich nachlässt. Alles davor war nur Warten.



