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Wandern & Natur

Das Bregenzerwald-Gefühl: Wandern dort, wo die Architektur besser ist als die Aussicht

4. September 2026

Man merkt beim ersten Dorf, dass hier etwas anders ist. Die Häuser sind neu, aber nicht laut. Holz, große Fenster, klare Kanten, und daneben steht ein zweihundert Jahre alter Bauernhof mit Schindelfassade, und es beißt sich nicht.

Der Bregenzerwald ist die einzige Gegend Österreichs, in der zeitgenössische Architektur zum Alltag gehört und nicht zum Sonderfall. Das hat mit einer langen Handwerkstradition zu tun und mit einer Handvoll Baumeister, die in den 1980er-Jahren beschlossen haben, es anders zu machen.

Warum September

Die Almen im Bregenzerwald werden bis in den September hinein bewirtschaftet, danach kommen die Tiere ins Tal. Das heißt: Man kann noch auf Sennalpen einkehren, dort wo der Käse tatsächlich gemacht wird und nicht nur verkauft.

Dazu kommt das Licht. Ende August ist es im Vorarlberger Voralpenland oft dunstig. Anfang September wird die Luft klar, und man sieht vom Kamm plötzlich bis zum Bodensee und in die Schweizer Berge.

Zwei Touren, unterschiedlich schwer

Für einen ruhigen Tag: die Runde um das Hochplateau am Bödele bei Schwarzenberg, oder der Weg von Bezau über die Bezegg zur Baumgartenalpe. Moderate Höhen, Almwiesen, viel Aussicht, wenig Absturzgelände. Drei bis vier Stunden, gut markiert.

Für einen ernsteren Tag: die Kanisfluh. Rund 2044 Meter, und sie steht so allein da, dass sie von überall im Tal sichtbar ist. Der Aufstieg über die Wurzachalpe ist der übliche, etwa fünf bis sechs Stunden für den Rundweg, mit ausgesetzten Passagen im oberen Teil.

Das ist der Punkt, an dem ich deutlich werden muss: Die Kanisfluh sieht von unten freundlich aus, hat aber steile Grashänge und ausgesetzte Stellen, an denen ein Ausrutscher schwere Folgen hat. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung, nicht Empfehlung. Bei Nässe ist steiles Gras rutschiger als Fels. Und im September kann oben schon Neuschnee liegen.

  • Wetterbericht am Vorabend und noch einmal am Morgen. Vorarlberg hat einen eigenen Bergwetterdienst.
  • Umkehrzeit festlegen. Anfang September ist um halb acht das Licht weg.
  • Bergrettung: 140. Und speichern Sie sich eine Notruf-App, die Koordinaten mitsendet.

Die Käsestraße, und was daran echt ist

Die KäseStrasse Bregenzerwald ist ein Zusammenschluss von Sennereien, Bauernhöfen, Wirtshäusern und Alpen. Es ist kein Themenweg mit Tafeln, sondern ein Netz aus Betrieben, bei denen man tatsächlich hineingehen kann.

Der Bergkäse hier reift mindestens einige Monate, oft deutlich länger, und die Unterschiede zwischen den Alpen sind schmeckbar. Auf einer Alpe erklärt Ihnen die Sennerin ungefragt, warum ihr Käse anders schmeckt als der von der Alpe gegenüber – es liegt an den Kräutern auf zwei verschiedenen Hängen.

Probieren Sie den Sura Kees, einen mageren Sauermilchkäse aus dem Montafon, der nebenan gemacht wird. Er riecht streng und schmeckt besser, als er riecht. Nicht jeder mag ihn. Ich schon.

Die Architektur, kurz

Wer sich dafür interessiert: In Krumbach stehen sieben Bushaltestellen, die von internationalen Architekturbüros entworfen wurden, jede völlig anders. Man kann sie mit dem Linienbus abfahren, was der Witz an der Sache ist.

Und in Schwarzenberg, Bezau und Andelsbuch gibt es Werkräume und Ausstellungshäuser, in denen Handwerk gezeigt wird, das man sonst nur in Katalogen sieht.

Ein Wort zur Kleidung, weil es hier anders ist

Der Bregenzerwald liegt im Stau der Nordalpen, und das bedeutet: Es regnet hier viel, auch im September. Die Jahresniederschläge gehören zu den höchsten Österreichs.

Praktisch heißt das, eine wirklich dichte Regenjacke einzupacken und nicht die dünne Windjacke, die im Osten meist reicht. Und Wechselsocken, weil nasse Wiesen morgens durch jeden Schuh gehen.

Der Vorteil dieser Nässe steht überall herum: Diese Wiesen sind so grün, wie Wiesen sonst nur auf schlecht bearbeiteten Fotos sind. Das ist keine Farbkorrektur, das ist einfach viel Wasser und wenig Dünger.

Anreise, ehrlich

Vorarlberg ist von Wien aus weit. Mit der Bahn über Salzburg und Innsbruck rund acht Stunden nach Bregenz, über Deutschland teils schneller. Das ist kein Wochenendziel, sondern eine Woche.

Vor Ort ist der öffentliche Verkehr allerdings vorbildlich. Der Landbus Bregenzerwald fährt dicht getaktet in fast jedes Dorf, und die Bregenzerwaldbahn-Nachfolge auf der Straße funktioniert besser als in vielen anderen Regionen. Ein Auto braucht man nicht.

Der letzte Abend

Auf einer Alpe, gegen sechs, wenn die Sonne hinter dem Kamm verschwindet und die Kühe schon im Stall sind. Es wird sofort kalt. Auf dem Tisch steht ein Brett mit drei Käsesorten, dunkles Brot und ein Krug Most.

Und unten im Tal geht in den Dörfern langsam das Licht an, eines nach dem anderen, bis der ganze Wald aussieht wie eine sehr ordentlich sortierte Handvoll Sterne.

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