Der erste Schritt im Tiefschnee mit Schneeschuhen ist ein kleines Wunder. Man sinkt bis zum Knöchel ein statt bis zur Hüfte, es knirscht, und man kommt tatsächlich voran. Nach zwanzig Minuten ist man außer Atem und wundert sich, warum, obwohl es doch flach war.
Willkommen bei einer Sportart, die viel leichter aussieht, als sie ist, und viel gefährlicher sein kann, als sie aussieht.
Der Punkt, an dem es ernst wird
Beginnen wir damit, weil alles andere danach kommt. Schneeschuhwandern führt Sie in Gelände, in dem Lawinen abgehen können. Das gilt nicht nur für Steilhänge – es reicht, unterhalb eines Hangs mit mehr als etwa 30 Grad Neigung durchzuqueren.
Was das heißt, praktisch:
- Lesen Sie vor jeder Tour den Lawinenlagebericht des jeweiligen Bundeslandes. Er ist gratis, täglich aktuell und in einer verständlichen fünfstufigen Skala aufgebaut.
- Ab Stufe 3 (erheblich) gehören Sie als Anfängerin nicht ins freie Gelände. Punkt.
- Für Touren abseits markierter Wege brauchen Sie LVS-Gerät, Sonde und Schaufel – und die Fähigkeit, sie zu verwenden. Ein Gerät im Rucksack, mit dem man nie geübt hat, ist Ballast.
Das klingt nach Abschreckung. Ist es auch, ein bisschen. Aber es gibt eine völlig unproblematische Variante, mit der praktisch alle anfangen sollten.
Präparierte Schneeschuhwege: die richtige Antwort für den Anfang
In vielen Regionen gibt es markierte Schneeschuhrouten, die bewusst durch lawinensicheres Gelände geführt werden. Talböden, Waldwege, flache Hochebenen. Sie sind mit eigenen Tafeln ausgeschildert, meist rosa oder orange.
Gute Reviere dafür: das Große Walsertal in Vorarlberg, das Gebiet rund um die Nockberge in Kärnten, die Hochebenen im Salzburger Lungau, das Karwendeltal bei Scharnitz in Tirol. Und in Niederösterreich, wenn genug Schnee liegt, die Wege rund um den Ötscher.
Diese Routen sind nicht langweilig. Sie sind nur sicher, und das ist ein Unterschied.
Die Ausrüstung, ehrlich sortiert
Schneeschuhe selbst muss man am Anfang nicht kaufen. Fast jeder Sportverleih in einem Wintersportort hat sie, und ein Tag Verleih kostet einen Bruchteil eines Kaufs. Achten Sie darauf, dass eine Steighilfe dabei ist, dieser kleine Bügel unter der Ferse, der bei Steigungen die Wadenmuskulatur entlastet. Er ist der Unterschied zwischen Freude und Fluchen.
Was Sie tatsächlich brauchen:
Feste, hohe, wasserdichte Winterschuhe. Keine Halbschuhe, keine Turnschuhe. Gamaschen, sonst haben Sie nach einer Stunde Schnee in den Socken. Teleskopstöcke mit großen Tellern. Handschuhe zum Wechseln, weil das erste Paar nass wird. Und Kleidung nach Zwiebelprinzip, denn Sie werden schwitzen und dann bei der ersten Pause frieren.
Was Sie nicht brauchen: eine dicke Daunenjacke zum Gehen. Die kommt in den Rucksack und wird bei der Pause angezogen.
Die Technik, die man in fünf Minuten lernt
Bergauf: kurze Schritte, Steighilfe hoch, und die Ferse bewusst aufsetzen, damit die Harscheisen unter der Bindung greifen. Wer auf den Zehenspitzen geht, rutscht.
Bergab: Gewicht nach hinten, Fersen zuerst, Knie leicht gebeugt. Das fühlt sich falsch an und ist richtig. Die häufigste Verletzung beim Schneeschuhwandern ist ein umgeknöchelter Fuß beim Abstieg, weil jemand nach vorne gelehnt ist.
Quergehen am Hang: der unangenehmste Teil, weil sich die Schneeschuhe verkanten. Wenn es geht, meiden Sie Querungen und wählen Sie lieber die direkte Linie. Und gehen Sie in der Gruppe hintereinander in einer Spur, das spart Kraft für alle außer für die vorderste Person, die deshalb regelmäßig gewechselt wird.
Das Tempo, das alle unterschätzen
Rechnen Sie mit etwa der halben Geschwindigkeit einer Sommerwanderung. Zwei Kilometer pro Stunde in unverspurtem Schnee sind normal, drei sind schon gut. Wer eine Zehn-Kilometer-Runde plant, plant fünf Stunden, nicht drei.
Und im Jänner ist um halb fünf das Licht weg. Also: früh los, Umkehrzeit vorher festlegen und dann auch einhalten, auch wenn es gerade schön ist. Genau da liegt der Hund begraben. Die meisten Bergrettungseinsätze im Winter haben nicht mit Lawinen zu tun, sondern damit, dass jemand in der Dunkelheit den Weg nicht mehr gefunden hat.
Der Nebeneffekt, den man vorher nicht kennt
Schnee schluckt Geräusche. Nach einer halben Stunde im Wald ist es so still, dass man das eigene Blut in den Ohren hört. Man sieht Fährten, die man im Sommer nie bemerkt: Hasen, Rehe, gelegentlich ein Fuchs, der genau in der eigenen Spur gegangen ist.
Und wenn man dann irgendwann anhält, den Rucksack abstellt und die Thermoskanne aufschraubt, dampft der Tee in die kalte Luft, und man steht in einer Landschaft, in der außer einem selbst wirklich niemand ist.
Dafür geht man hinaus. Die Ausrüstungsliste ist nur der Preis.



