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Österreich

Salzkammergut im August: 6 Orte, an denen Sie nicht Schlange stehen

15. August 2026

Es ist eine der absurdesten Szenen des österreichischen Sommers: ein Ort mit rund siebenhundert Einwohnern, in dem sich an einem Augusttag mehrere tausend Menschen durch eine Gasse schieben, um dieselbe Häuserzeile zu fotografieren, die sie vorher auf dem Handy gesehen haben.

Hallstatt ist wunderschön. Es ist auch, im August, eine Zumutung für alle Beteiligten, die Einheimischen zuerst.

Dabei ist das Salzkammergut riesig. Es reicht von Oberösterreich über Salzburg bis in die Steiermark, es hat über siebzig Seen, und der überwiegende Teil davon ist auch Mitte August nicht überlaufen.

1. Der Almsee

Am Ende des Almtals, unterhalb des Toten Gebirges. Ein flacher, klarer See ohne Bebauung, umgeben von Wald, mit einem Rundweg von rund fünf Kilometern. Baden ist erlaubt, das Wasser ist allerdings kalt, weil es von Karstquellen gespeist wird.

Der Blick vom Nordufer auf die Wände des Toten Gebirges gehört zu den besten in Oberösterreich, und man teilt ihn mit vielleicht zwanzig anderen Leuten.

2. Der Vordere Gosausee, aber am frühen Morgen

Ja, der ist bekannt. Der Dachstein spiegelt sich darin, das ist eines der meistfotografierten Motive des Landes. Ab zehn Uhr ist der Parkplatz voll.

Um sieben ist niemand da, das Wasser ist glatt, und der Gletscher hat gerade Licht. Wer weitergeht zum Hinteren Gosausee, gut anderthalb Stunden auf einem breiten Weg, verliert das Publikum ohnehin nach zwanzig Minuten.

3. Das Ausseerland

Der Grundlsee und der Toplitzsee im steirischen Teil sind ruhiger als alles im oberösterreichischen Kern. Der Toplitzsee ist nur zu Fuß oder mit einer Plätte erreichbar, diesem flachen Holzboot, das mit einer Stange gestakt wird.

Ein Hinweis zum Baden: Der Toplitzsee ist ab wenigen Metern Tiefe sauerstofffrei, sehr dunkel und sehr kalt. Er sieht harmlos aus und ist es nicht besonders. Schwimmen dort nur dort, wo es ausgewiesen ist.

4. Der Attersee, aber die Ostseite

Der Attersee ist der größte See, der ganz in Österreich liegt, und im Süden bei Unterach und Steinbach recht gut besucht. Die Ostseite Richtung Weyregg hat mehr freien Uferzugang und weniger Betrieb.

Und dort, wo Gustav Klimt jahrelang seine Sommer verbracht und die quadratischen Landschaftsbilder gemalt hat, gibt es einen ausgeschilderten Weg entlang seiner Motive. Man steht an einer Stelle, hält das Bild daneben, und es stimmt noch immer.

5. Die Höhen statt der Ufer

Das Wandergebiet rund um den Loser bei Altaussee, die Katrin über Bad Ischl, die Zwölferhorn-Seite am Wolfgangsee. Sobald man zweihundert Höhenmeter über dem Wasser ist, sind die Leute weg.

Bergsicherheit im August, kurz: Nachmittagsgewitter sind hier die Regel, nicht die Ausnahme. Das Tote Gebirge ist außerdem eine ausgedehnte Karsthochfläche mit wenig Wasser, unübersichtlichem Gelände und Nebelneigung. Wer dort oben hineingeht, braucht Karte, Kompass oder GPS und einen Plan. Markierungen verschwinden im Nebel schneller, als man glaubt.

6. Bad Ischl selbst

Klingt wie ein Kompromiss, ist aber ernst gemeint. Die Stadt ist im August nicht besonders voll, weil alle an die Seen fahren. Die Kaiservilla, der Kurpark, das Lehár-Theater, und die Zauner-Konditorei mit ihren Marmortischen.

Die Ischler Torte oder ein Stück Zaunerstollen an einem Regennachmittag im August ist eine ganz und gar unspektakuläre gute Idee.

Was das Wasser mit einem macht

Die meisten Salzkammergut-Seen sind kalt. Nicht erfrischend, sondern kalt: Der Almsee liegt auch im August selten über achtzehn Grad, der Gosausee darunter. Der Attersee und der Mondsee sind die freundlichen Ausnahmen mit Werten um die zweiundzwanzig, manchmal mehr.

Ein Hinweis, der jedes Jahr untergeht: In kalte Bergseen steigt man langsam ein, nicht mit einem Sprung. Der Kälteschock kann bei sehr kaltem Wasser zu unkontrolliertem Einatmen führen, und das ist der Grund, warum in Bergseen Menschen ertrinken, die gut schwimmen können.

Erst die Beine, dann die Arme, dann Nacken und Gesicht. Und nicht allein weit hinausschwimmen, egal wie klar es ausschaut. Klares Wasser täuscht die Entfernung.

Anreise, weil das den Unterschied macht

Die Salzkammergutbahn fährt von Attnang-Puchheim über Gmunden, Bad Ischl und Hallstatt bis Stainach-Irdning. Von Wien und von Salzburg kommt man gut hin, mit einem Umstieg.

Vor Ort ist der Bus die bessere Wahl als das Auto. Die Straßen entlang der Seen sind eng, die Parkplätze im August ab dem Vormittag voll und teils gebührenpflichtig. Viele Regionen geben Gästekarten aus, mit denen der Regionalverkehr inkludiert ist.

Und wenn Sie doch nach Hallstatt wollen

Dann fahren Sie am Abend hin. Ab etwa achtzehn Uhr leert es sich schlagartig, weil die Busse zurück nach Salzburg oder Wien müssen. Dann sitzt man am Ufer, die Fassaden spiegeln sich, und der Ort sieht aus wie das, was er ist: ein sehr alter Bergarbeiterort in einer sehr engen Bucht.

Er hat es nicht verdient, nur ein Motiv zu sein.

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