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Österreich

Der Neusiedler See im März: Wenn die Vögel zurückkommen und die Radler noch nicht

16. März 2026

Der Wind ist das Erste. Man steigt in Neusiedl am See aus dem Zug, geht Richtung Ufer, und schon nach zweihundert Metern versteht man, warum hier alle Bäume in dieselbe Richtung schauen. Im März kommt er meist aus Nordwest, er ist kalt, und er hört stundenlang nicht auf.

Ziehen Sie sich wärmer an, als das Thermometer nahelegt. Zehn Grad am Neusiedler See fühlen sich an wie drei.

Warum genau jetzt

Der Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel liegt auf einer der wichtigsten Vogelzugrouten Europas. Im März ist Heimzug: Kiebitze, Rotschenkel, Säbelschnäbler, Löffler und mit etwas Glück Kraniche kommen durch oder bleiben zum Brüten.

Gleichzeitig sind die Lacken – diese flachen, salzhaltigen Tümpel im Seewinkel – nach dem Winter voll. In heißen Sommern trocknen viele davon komplett aus. Jetzt stehen sie im Wasser, und an ihren Rändern ist ständig Bewegung.

Und die Radfahrerinnen, die im Juni zu Tausenden auf dem Seeradweg unterwegs sind, kommen erst später. Das ist der eigentliche Luxus.

Wo man tatsächlich etwas sieht

Das Informationszentrum in Illmitz ist der richtige Ausgangspunkt. Von dort führen mehrere Wege zu Beobachtungshütten an den Lacken, zum Beispiel Richtung Lange Lacke oder Zicklacke. Es sind flache Spaziergänge, ein bis drei Stunden, ohne jede Steigung.

Ein Fernglas ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Ohne sieht man weiße Punkte. Mit sieht man einen Säbelschnäbler, der mit diesem absurd nach oben gebogenen Schnabel durchs Wasser wischt.

  • Bleiben Sie auf den Wegen. Der Nationalpark hat Kernzonen, die nicht betreten werden dürfen, und das aus gutem Grund: Bodenbrüter geben ihr Gelege auf, wenn jemand zu nah kommt.
  • Leise sein hilft mehr als teure Ausrüstung.
  • Geführte Exkursionen mit Nationalpark-Rangern gibt es regelmäßig, Termine je nach Saison. Wer noch nie Vögel bestimmt hat, lernt in zwei Stunden mehr als in einem Jahr allein.

Rust und die Störche

Ende März kommen die Weißstörche zurück nach Rust. Auf den Kaminen der Altstadthäuser stehen die Nester teils seit Jahrzehnten, manche wiegen mehrere hundert Kilo, und wenn die Vögel klappern, hört man das durch die halbe Gasse.

Rust selbst ist ein hübscher, sehr kleiner Ort mit einem Hauptplatz, den man in fünf Minuten überquert. Die Freistadt lebt vom Wein, und im März haben viele Weingüter zwar geöffnet, aber die Buschenschanken laufen noch nicht in vollem Umfang. Vorher anrufen.

Der Wein, kurz

Rund um den See wachsen vor allem Weißburgunder, Welschriesling und der Blaufränkisch als roter Hauptdarsteller. Die Besonderheit der Region sind allerdings die Süßweine: Der Nebel über dem See im Herbst begünstigt die Edelfäule, und daraus entstehen Trockenbeerenauslesen, die weltweit einen Ruf haben.

Ein Glas davon nach dem Essen, kalt, ist ein guter Abschluss für einen Tag, an dem man sechs Stunden im Wind gestanden ist.

Die Puszta-Landschaft und ihre Tiere

Der Seewinkel ist der westlichste Ausläufer der pannonischen Steppe, und das sieht man an den Weideflächen: Kein Zaun weit und breit, dafür Herden von Ungarischen Steppenrindern mit ihren enormen geschwungenen Hörnern und Weißen Eseln, einer Rasse, die es fast nicht mehr gäbe, wenn der Nationalpark sie nicht hielte.

Diese Tiere sind kein Streichelzoo. Sie stehen dort, weil sie die Wiesen kurz halten und damit die Lebensräume für die Bodenbrüter offen halten. Beweidung ist hier Naturschutzmaßnahme, nicht Landwirtschaft.

Und im März kommt dazu, was man im Sommer nie hört: Die Feldlerchen fangen an. Man steht auf einem Feldweg, sieht nichts, und über einem hängt ein Ton, der nicht aufhören will.

Anreise und Bewegung vor Ort

Von Wien fährt die Bahn nach Neusiedl am See in etwa einer Dreiviertelstunde. Von dort geht es mit Regionalbussen weiter in den Seewinkel, nach Illmitz, Podersdorf und Apetlon. Die Busse fahren nicht besonders dicht, vor allem am Wochenende – Fahrplan vorher anschauen, sonst steht man eine Stunde.

Wer ein Rad mitnimmt, ist flexibler. Der Neusiedler See Radweg ist flach und gut ausgeschildert, und im März hat man ihn weitgehend allein. Der Gegenwind auf der Rückfahrt ist allerdings kein Gerücht.

Was den Ort besonders macht

Der Neusiedler See ist ein Steppensee: durchschnittlich etwa einen Meter tief, ohne nennenswerten Zufluss, umgeben vom größten Schilfgürtel Mitteleuropas. Sein Wasserstand schwankt stark, und in den letzten Jahren war er wiederholt bedrohlich niedrig. Das ist kein abstraktes Klimathema, sondern etwas, das man beim Gehen sieht: Uferlinien, wo vor zehn Jahren Wasser war.

Am späten Nachmittag, wenn die Sonne flach über das Schilf kommt und irgendwo hinten ein Schwarm aufsteigt, versteht man, warum sich so viele Leute für diese flache, windige, nicht besonders spektakuläre Landschaft so hartnäckig einsetzen.

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