Es ist ein eigenartiges Privileg dieser Stadt: Man steigt beim Schottentor in die 38er, fährt vierzig Minuten, steigt aus und steht im Wald. Kein Auto, kein Parkplatz, kein Anfahrtsstress. Und um sechs am Abend ist man wieder daheim.
Der April ist dafür die beste Zeit. Das Laub ist noch hell und durchlässig, sodass Licht bis zum Boden kommt, es hat um die fünfzehn Grad, und die Gelsen sind noch nicht da.
1. Kahlenberg nach Nussdorf: der Klassiker, den man einmal gemacht haben muss
Mit dem Bus 38A vom Heiligenstädter Bahnhof hinauf auf den Kahlenberg. Oben die Terrasse mit dem Blick über die Donau und die halbe Stadt, dann den Stadtwanderweg 1 hinunter über den Nussberg nach Nussdorf.
Etwa zwei Stunden, überwiegend bergab, gut 350 Höhenmeter im Abstieg. Der schönste Teil ist unten: Man geht mitten durch die Weingärten am Nussberg, mit Wien direkt unter sich, und je nach Wochentag sitzen dort Leute mit einer Flasche auf den Bankerln.
Danach ein Heuriger in Nussdorf oder Grinzing. Der Grinzinger Teil ist touristisch, das lässt sich nicht schönreden. In den kleineren Gassen von Nussdorf und Sievering wird es ehrlicher.
2. Sophienalpe: der Bärlauchweg
Mit der 49er bis Hütteldorf und dann Bus, oder direkt mit dem Bus zur Sophienalpe. Von dort führen mehrere Runden durch Buchenwald, und im April ist der Boden stellenweise flächig grün vom Bärlauch.
Zum Sammeln, weil das jedes Jahr schiefgeht: Bärlauch riecht deutlich nach Knoblauch, wenn man ein Blatt zwischen den Fingern zerreibt. Maiglöckchen und Herbstzeitlose sehen ähnlich aus und sind giftig. Wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, lassen Sie es. Und pflücken Sie nur einzelne Blätter, nicht ganze Büschel mit Zwiebel.
In Nationalparkbereichen und Naturschutzgebieten ist das Sammeln ohnehin verboten. Der Biosphärenpark Wienerwald hat eigene Zonierungen – die Tafeln stehen am Weg.
3. Der Lainzer Tiergarten
Streng genommen kein Wandern, sondern ein umzäunter, ehemals kaiserlicher Wildpark im 13. Bezirk. Aber mit über zwanzig Quadratkilometern und markierten Wegen ist es eine ordentliche Halbtagesrunde.
Das Besondere: Wildschweine und Hirsche laufen frei herum, oft direkt neben dem Weg. Das ist beeindruckend und verlangt Respekt. Bachen mit Frischlingen im Frühjahr sind unberechenbar, also Abstand halten, nicht füttern, Hunde an der Leine.
Die Tore haben feste Öffnungszeiten, die sich mit der Jahreszeit ändern. Wer zu spät dran ist, steht vor einem verschlossenen Tor, und die Zäune sind hoch.
4. Baden und der Helenental-Rundweg
Die Badner Bahn fährt von der Wiener Oper direkt nach Baden, rund eine Stunde. Von dort in das Helenental, dieses enge Tal der Schwechat mit den Ruinen Rauhenstein und Rauheneck auf beiden Seiten.
Eine gute Runde: vom Kurpark aus über den Ruinenweg, etwa drei Stunden mit Pausen. Es geht ordentlich hinauf und wieder hinunter, der Blick von Rauheneck über das Tal ist die Mühe wert.
Zurück in Baden: Der Kurpark im April ist voller Magnolien, und die Beethovenspuren im Ort sind echt. Er hat hier mehrere Sommer verbracht und Teile der Neunten geschrieben.
Wo man danach einkehrt
Der Wienerwald ist voller Ausflugsgasthäuser, und die Qualität schwankt beträchtlich. Die Faustregel: Je größer der Parkplatz, desto durchschnittlicher das Essen.
Was fast immer funktioniert, sind die kleinen Hütten des Österreichischen Touristenklubs und der Naturfreunde. Sie haben eingeschränkte Öffnungszeiten, meist nur an Wochenenden, oft von Ehrenamtlichen betrieben. Es gibt Gulasch, Würstel, Aufstrichbrote und Most, und man sitzt an Holztischen mit Leuten, die dieselbe Runde gegangen sind.
Und die Heurigen: Im April haben viele bereits ausgesteckt. Das erkennt man am Föhrenbuschen über der Tür – hängt er, ist offen. Die Ausstecktermine stehen auf den Gemeindeseiten der Weinbauorte und wechseln alle paar Wochen.
Praktisch, kurz
- Die Wiener Stadtwanderwege sind gut markiert, aber die Markierungen verschwinden im belaubten Zustand gern hinter Ästen. Eine Wanderkarte oder App als Rückversicherung.
- Zecken sind ab April aktiv, teils schon früher. Lange Hose, danach abschauen, und wer regelmäßig draußen ist, kennt die FSME-Impfung ohnehin.
- Nach Regen sind die Lehmböden im Wienerwald ausgesprochen rutschig. Profilsohle, keine Sneaker.
Der eigentliche Punkt
Der Wienerwald ist kein Hochgebirge, und niemand wird davon Bergsteigerin. Aber er hat etwas, das die großen Ziele nicht haben: Man geht hin, ohne dass es ein Projekt wird. Kein Wetterbericht drei Tage vorher, keine Ausrüstungsdebatte, keine Anfahrt.
Man entscheidet sich am Freitagabend, und am Samstag um neun steht man in der Bim mit einem Rucksack, in dem eine Semmel und eine Flasche Wasser sind. Mehr braucht es nicht.



