Manchmal steht man an einem Bahnhof und merkt, dass eine Grenze im Kopf länger hält als in der Wirklichkeit. Nach Prag fahren alle. Was zwischen der österreichischen Grenze und Prag liegt, kennen erstaunlich wenige.
Dabei beginnt Südböhmen ungefähr dort, wo das Waldviertel aufhört, und die Landschaft macht keinen Bruch. Nur die Ortstafeln ändern die Sprache.
Die Teiche, die niemand für alt hält
Rund um Třeboň liegt eine Landschaft aus mehreren hundert künstlichen Teichen, angelegt ab dem 15. Jahrhundert für die Karpfenzucht. Es ist eines der größten von Menschenhand geschaffenen Wassersysteme Europas, und es funktioniert bis heute genauso wie damals: Im Herbst werden die Teiche abgelassen, die Fische geerntet, im Frühjahr wieder gefüllt.
Der größte, der Rožmberk-Teich, hat einen Damm, auf dem eine Allee aus alten Eichen steht. Man geht dort im Mai durch ein Konzert aus Fröschen, Rohrsängern und irgendwo einem Kuckuck. Es ist flach, es ist einfach, und es ist ungewöhnlich schön.
Třeboň selbst ist ein kleiner Kurort mit einem intakten Renaissance-Hauptplatz und einem Moorbad. Man geht ihn in zwanzig Minuten ab.
České Budějovice, das Budweis heißt
Der Hauptplatz von Budweis ist einer der größten quadratischen Plätze Mitteleuropas, ungefähr 130 mal 130 Meter, umgeben von Arkadenhäusern. In der Mitte der Samsonbrunnen, an den Rändern Cafés, und weil der Platz so groß ist, wirkt er nie voll.
Die Stadt ist die Bierstadt. Das Budweiser Budvar wird hier gebraut, und der jahrzehntelange Markenstreit mit dem amerikanischen Konzern gleichen Namens ist eine eigene Geschichte. Brauereiführungen gibt es, Anmeldung empfohlen.
Vom Schwarzen Turm am Platz hat man nach etwa 225 Stufen einen Blick über die ganze Altstadt. Die Stufen sind eng und die Gegenverkehrsregelung ist Verhandlungssache.
Český Krumlov: schön und leider bekannt
Man muss ehrlich sein: Krumau ist kein Geheimtipp mehr. Die Altstadt in der Moldauschleife, überragt vom zweitgrößten Schlosskomplex Tschechiens, steht auf der Welterbeliste und entsprechend voll ist es an Sommernachmittagen.
Die Lösung ist banal und wirkt trotzdem: Bleiben Sie über Nacht. Ab etwa sechs Uhr abends fahren die Busse ab, und dann gehört die Stadt wieder denen, die dort sind. Die Gassen sind schmal, das Pflaster uneben, und in der Dämmerung sieht das Ganze aus wie eine Kulisse, die vergessen hat, dass sie echt ist.
Der Schlossturm mit seiner bunt bemalten Fassade ist der beste Aussichtspunkt. Und im Schlossgarten steht das Drehbühnentheater, das im Sommer bespielt wird.
Hluboká, das Schloss, das aussieht wie England
Nördlich von Budweis steht auf einem Hügel Schloss Hluboká, weiß, zinnenbewehrt, mit Türmchen. Die Schwarzenberger ließen es Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild von Windsor Castle umbauen, weil die Fürstin auf einer Englandreise begeistert war.
Das Ergebnis ist ein Bauwerk, das in Südböhmen so wenig hingehört, dass es schon wieder großartig ist. Die Innenräume sind mit Original-Ausstattung erhalten, es gibt mehrere Führungsrouten, und der Park drumherum ist frei zugänglich.
Vom Bahnhof Hluboká nad Vltavou ist es ein Fußmarsch von etwa zwanzig Minuten bergauf. Oder mit dem Bus ab Budweis in einer knappen halben Stunde. Im Mai steht der Park in voller Blüte und ist auch ohne Schlossbesuch einen Nachmittag wert.
Anreise, realistisch
Von Wien fährt die Bahn über Gmünd nach České Budějovice, Fahrzeit rund vier Stunden mit Umstieg. Von Linz aus geht es über Summerau, ungefähr zweieinhalb Stunden. Es gibt grenzüberschreitende Angebote der ÖBB für Tschechien, die deutlich günstiger sind als Einzeltickets.
Nach Krumau kommt man von Budweis mit dem Regionalzug in etwa fünfzig Minuten oder mit dem Bus in gut vierzig. Der Bahnhof in Krumau liegt oberhalb der Stadt, was einen kurzen Abstieg bedeutet.
Bezahlt wird in tschechischen Kronen. Karten werden fast überall genommen, aber kleine Buschenschanken und Fährbetriebe wollen manchmal Bargeld. Wechseln Sie nicht am Bahnhof, dort sind die Kurse traditionell schlecht.
Essen und ein Hinweis
Südböhmische Küche ist deftig: Svíčková, Rindfleisch in Rahmsauce mit Semmelknödeln und Preiselbeeren. Karpfen in allen Varianten, klarerweise. Und Bramboráky, Erdäpfelpuffer, die man auf Märkten aus der Hand isst.
Das Bier ist billig und gut, und genau darin liegt die Falle. Ein tschechisches Halbe hat oft mehr Alkohol, als man vermutet, und in vielen Lokalen wird nachgeschenkt, ohne dass man bestellt. Wer mit dem Auto da ist: In Tschechien gilt strikte Nulltoleranz, 0,0 Promille. Ohne Ausnahme, ohne Kulanz.
Zum Schluss ein Umweg
Wer zurückfährt, kann in Gmünd im Waldviertel aussteigen. Die Stadt ist geteilt: Ein Teil liegt in Österreich, der andere, České Velenice, in Tschechien, und die Grenze läuft mitten durch. Man geht über eine Straße und ist im anderen Land.
Vierzig Jahre lang war das nicht möglich. Man merkt es der Gegend an, wenn man genau hinschaut.



