Es ist eine seltsame Erfahrung, im Februar in Südtirol zu sein und keine Skier dabeizuhaben. Man kommt in der Gondel ins Gespräch, es wird gefragt, wo man fährt, und wenn man sagt „gar nicht“, entsteht eine kurze Pause. Dann meistens: „Ah, wandern.“ Genau.
Warum ausgerechnet dort
Südtirol liegt näher, als es sich anfühlt. Von Innsbruck über den Brenner nach Bozen fährt der Zug in etwa zwei Stunden, von Wien mit Umstieg in Innsbruck an einem halben Tag. Man ist in Italien, aber die Speisekarte ist zweisprachig und die Kellnerin spricht ein Deutsch, das dem eigenen näher ist als das norddeutsche.
Und im Februar liegt in den Höhenlagen verlässlich Schnee, während im Etschtal unten manchmal schon die ersten Mandelbäume zucken.
Winterwandern auf den Hochplateaus
Die Sonnenterrassen oberhalb von Bozen sind für Winterwanderungen fast ideal, weil sie flach sind und den ganzen Tag Sonne bekommen. Der Ritten, erreichbar mit der Rittner Seilbahn direkt aus Bozen und dann mit der Schmalspurbahn, hat ein Netz präparierter Winterwege zwischen Oberbozen, Klobenstein und Lengmoos. Man geht durch Lärchenwiesen, mit den Dolomiten frontal im Blick, und braucht dafür keine Bergsteigererfahrung.
Ähnlich funktioniert die Seiser Alm, Europas größte Hochalm. Der Großteil ist Skigebiet und Loipe, aber es gibt ausgewiesene Winterwanderwege, die davon getrennt geführt werden. Wichtig: Bleiben Sie darauf. Ein Fußgänger auf einer Skipiste ist eine echte Gefahr, für sich und für andere.
Sicherheit, kurz und unromantisch
- Präparierte Winterwanderwege sind sicher. Alles andere im Hochwinter ist alpines Gelände mit Lawinenrisiko.
- Der Lawinenlagebericht für Südtirol wird täglich veröffentlicht und ist auch auf Deutsch verfügbar. Lesen, bevor Sie planen.
- Grödel oder Spikes für die Schuhe kosten wenig und verhindern den Sturz auf vereisten Passagen. Nachmittags, wenn die Sonne den Schnee angetaut und der Schatten ihn wieder gefroren hat, sind manche Wege spiegelglatt.
Das Essen ist der halbe Grund
Südtirol ist kulinarisch eine Grenzregion, und das ist keine Floskel. Auf derselben Karte stehen Schlutzkrapfen und Tagliatelle, Speckknödel und Vitello tonnato. Am besten sind die Hütten, die nur eines von beiden gut machen und dazu stehen.
Was Sie im Februar suchen sollten: Gerstsuppe, dick, mit Speck, an einem Tag mit minus acht Grad. Und Kaiserschmarrn auf einer Hütte, wo er in der Pfanne kommt und nicht auf dem Teller.
Getrunken wird Vernatsch, dieser leichte rote Alltagswein, den man auch mittags verträgt, und Lagrein, wenn es abends ernster wird. Der Weißwein aus dem Eisacktal, Sylvaner oder Kerner, ist inzwischen so gut, dass er es in Wien schwer hat, weil ihn niemand kennt.
Die Städte, wenn das Wetter kippt
Bozen selbst ist an einem Regentag ein guter Aufenthalt. Der Obstmarkt läuft ganzjährig, die Lauben sind überdacht, und im Archäologiemuseum liegt Ötzi, was man einmal gesehen haben sollte, auch wenn es ein bisschen unangenehm ist.
Brixen ist kleiner und meiner Meinung nach schöner: der Domplatz, die Hofburg, und ein Stadtkern, den man in vierzig Minuten abgeht. Meran hat die Kurpromenade entlang der Passer und diese eigenartige Habsburger Nachwehe, die man sofort erkennt, wenn man aus Österreich kommt.
Rodeln, die unterschätzte Alternative
Wenn das Winterwandern zu ruhig wird, gibt es die Rodelbahnen. Südtirol hat einige der längsten der Alpen, und der Reiz liegt darin, dass man erst hinaufgeht und dann hinunterfährt. Der Aufstieg dauert je nach Bahn ein bis zwei Stunden, die Abfahrt ein paar Minuten. Das Verhältnis ist absurd und macht trotzdem süchtig.
Rodeln werden fast überall vor Ort verliehen. Was Sie brauchen: feste Schuhe mit Profil, Handschuhe und einen Helm, den ausgeliehen zu bekommen inzwischen normal ist.
Und beachten Sie die Beleuchtungszeiten. Manche Bahnen sind abends beleuchtet, andere werden nach Einbruch der Dunkelheit gesperrt. Eine unbeleuchtete Rodelbahn im Dunkeln ist keine gute Idee, egal wie hell der Mond scheint.
Praktisches
Der Nahverkehr in Südtirol funktioniert gut und ist mit dem Mobilcard-System günstig zu nützen. Züge im Etschtal und Pustertal, Busse in fast jedes Seitental, dazu die Seilbahnen. Ein Auto braucht man nicht, und im Winter mit Kettenpflicht auf manchen Passstraßen will man es auch nicht unbedingt.
Das Klimaticket gilt an der Grenze nicht weiter. Für die Strecke ab Brenner braucht es ein italienisches Ticket, das aber günstig ist.
Der Moment, für den man fährt
Nachmittags, gegen vier, auf einem Winterweg am Ritten. Die Sonne steht flach, der Schnee wird orange, und gegenüber leuchtet der Schlern in diesem Rosa, das die Dolomiten im Winter für ungefähr zwölf Minuten haben. Dann ist es vorbei, und es wird sehr schnell sehr kalt.
Man geht zurück, und die Hütte hat schon Licht an.



