Der erste Kaffee in Triest ist eine Erziehungsmaßnahme. Man bestellt einen Espresso und bekommt einen „nero“. Man will einen Cappuccino und bekommt in einer kleinen Tasse etwas anderes, weil hier ein „capo in b“ der Standard ist: Espresso mit Milchschaum im Glas. Die eigene Kaffeehaussprache endet an der Bar, und das ist der erste Hinweis darauf, dass diese Stadt ihre eigenen Regeln hat.
Die Geschichte in drei Sätzen
Triest war ab 1382 habsburgisch und ab dem 18. Jahrhundert der wichtigste Seehafen der Monarchie. Kaiser Karl VI. machte es zum Freihafen, und danach wuchs die Stadt von einem Fischerort zu einer Handelsmetropole mit Griechen, Serben, Juden, Slowenen, Italienern und Österreichern.
1918 kam sie zu Italien, und der Hafen verlor sein Hinterland über Nacht. Diese Kränkung ist der Stadt bis heute anzumerken. Triest hat etwas Melancholisches, das nichts mit dem Wetter zu tun hat.
Was man tatsächlich anschauen sollte
Die Piazza Unità d'Italia ist der größte zum Meer offene Platz Europas, umgeben von monumentalen Palästen aus der Gründerzeit. Am Abend, wenn die Beleuchtung angeht und der Platz gegen das dunkle Wasser steht, ist das einer der theatralischsten Orte Italiens.
Der Molo Audace ist ein Steg, der etwa 250 Meter ins Meer hinausführt. Man geht hinaus, dreht sich um und sieht die ganze Stadt vom Wasser her. Das kostet nichts und ist besser als jeder Aussichtsturm.
Der Canal Grande, ein kurzer, gerader Kanal mitten im Borgo Teresiano, wurde angelegt, damit Schiffe direkt vor den Lagerhäusern entladen konnten. Heute sitzen dort Leute an Tischen und schauen auf Boote.
Miramare, das traurige Schloss
Ein Stück außerhalb, auf einem Felsvorsprung über dem Golf, steht Schloss Miramare. Erzherzog Maximilian ließ es in den 1850er-Jahren bauen, zog kurz ein und ging dann nach Mexiko, wo er als Kaiser installiert und 1867 erschossen wurde.
Die Innenräume sind nahezu original erhalten, mit Möbeln, die aussehen wie in einer Schiffskabine, weil Maximilian Marineoffizier war. Der Park mit seinen exotischen Bäumen ist frei zugänglich, das Schloss selbst kostet Eintritt im üblichen Rahmen.
Erreichbar mit dem Stadtbus vom Zentrum in rund zwanzig Minuten, oder zu Fuß auf dem Küstenweg, was schöner und deutlich länger ist.
Der Karst über der Stadt
Direkt hinter Triest steigt der Karst steil auf. Oben ist die Landschaft plötzlich karg, steinig, mediterran, und die Dörfer sind zweisprachig italienisch und slowenisch.
Der Rilkeweg zwischen Sistiana und Duino, benannt nach dem Dichter, der auf Schloss Duino die ersten Duineser Elegien begann, führt gut zwei Kilometer an der Steilküste entlang. Flach, breit, mit Blick auf die Adria. Für den Weg braucht man keine Ausrüstung, aber im Mai ist es dort schon heiß und schattenlos - Wasser mitnehmen, Kappe aufsetzen.
Und dann die Bora. Dieser Fallwind aus Nordost erreicht in Triest Spitzen weit über hundert Stundenkilometer, meist im Winter, gelegentlich auch im Frühjahr. An Bora-Tagen sind manche Küstenwege gesperrt und es hängen Seile in den Gassen zum Anhalten. Das ist kein Folklore-Detail, das ist ernst gemeint.
Essen zwischen zwei Küchen
Die Buffets von Triest sind eine Institution, die es sonst nirgends gibt: Lokale, in denen Schweinefleisch gekocht und mit Kren und Sauerkraut serviert wird. Es ist im Grunde ein Selchfleischgericht, nur mit italienischem Weißwein dazu.
Dazu die Osmize im Karst, die den Buschenschanken verblüffend ähneln: Bauern dürfen für ein paar Wochen im Jahr eigene Produkte ausschenken, angekündigt mit einem Zweig an der Straße. Wein, Käse, Prosciutto, hartgekochte Eier. Mehr nicht.
Der Kaffee, ernsthaft
Triest ist bis heute einer der wichtigsten Kaffeehäfen Europas. Ein erheblicher Teil des Rohkaffees für Mitteleuropa wird hier umgeschlagen, und die Stadt hat mehrere Röstereien mit eigener Geschichte.
Die alten Kaffeehäuser sind kein Museum, sondern Alltag. Man geht hinein, steht an der Bar, trinkt im Stehen und zahlt weniger, als wenn man sich setzt. Das ist in ganz Italien so und wird gern übersehen.
James Joyce hat hier über zehn Jahre gelebt, Englisch unterrichtet und einen großen Teil des Ulysses vorbereitet. Italo Svevo war sein Schüler. Es gibt einen Literaturweg mit Stationen, der ein bisschen bemüht ist, aber die Statue am Ponte Rosso, auf der Joyce mit den Händen in den Taschen über die Brücke geht, hat etwas Beiläufiges, das gut passt.
Anreise
Von Wien fährt eine direkte Verbindung über Villach und Udine, Fahrzeit ungefähr acht bis neun Stunden. Von Villach aus sind es rund vier. Wer es schneller will, fährt mit der Bahn nach Villach oder Klagenfurt und von dort mit dem Bus.
Im Sommer gibt es zusätzliche saisonale Verbindungen Richtung Adria. Die Fahrpläne wechseln jährlich, ein Blick vorher lohnt.
Am letzten Abend, auf dem Molo, mit dem Rücken zur Stadt: Man sitzt auf warmem Stein, das Wasser klatscht darunter, und irgendwo hinten macht ein Kaffeehaus zu, das schon offen hatte, als hier noch Kronen gezahlt wurden.



