Es riecht überall gleich. Punsch, gebrannte Mandeln, ein bisschen Bratwurst. Und trotzdem sind die Wiener Adventmärkte grundverschieden, und die Frage ist nicht, welcher der schönste ist, sondern welcher zu Ihrem Abend passt.
Rathausplatz: laut, groß, für Kinder perfekt
Der Christkindlmarkt am Rathausplatz ist der bekannteste und mit Abstand der vollste. Ab etwa 17 Uhr steht man dort Schulter an Schulter, und wer allergisch auf Menschenmengen ist, sollte gar nicht erst hingehen.
Für Familien mit Kindern ist er trotzdem die beste Adresse: der beleuchtete Rathauspark mit den Herzerlbäumen, die Eislaufbahn im Innenhof, das Ringelspiel. Gehen Sie unter der Woche, am besten am Nachmittag, wenn es gerade dunkel wird. Zwischen 15 und 17 Uhr ist es dort ein anderer Markt als um acht.
Spittelberg: der, den die Wiener meinen
Wenn Sie einen Wiener fragen, wohin er selbst geht, sagt er ziemlich sicher Spittelberg. Die Stände ziehen sich durch die schmalen Biedermeiergassen im 7. Bezirk, das Kunsthandwerk ist tatsächlich Handwerk und nicht Importware, und die Enge der Gassen macht das Ganze intim statt bombastisch.
Nachteil: Genau deshalb ist es am Wochenende ebenfalls zum Bersten voll. Dienstag oder Mittwoch, das ist der Trick.
Karlsplatz: der mit dem Anspruch
Der Art Advent vor der Karlskirche ist der ambitionierteste. Bio-Zertifizierung bei den Standlern, echtes Kunsthandwerk, Strohburg für Kinder, und die beleuchtete Kuppel als Kulisse. Der Punsch ist teurer als anderswo und schmeckt auch besser, was selten so klar zusammenhängt.
Wenn Sie nur einen Markt sehen und dabei etwas kaufen wollen, das nicht in drei Wochen auseinanderfällt: dieser hier.
Schönbrunn und Belvedere: schöne Kulisse, mäßiger Markt
Hier werde ich unpopulär. Beide Märkte leben zu großen Teilen von der Architektur hinter ihnen. Die Stände selbst bieten weitgehend dasselbe wie überall, die Preise liegen wegen der Lage höher, und der Anteil an Reisegruppen ist hoch.
Das heißt nicht, dass es schlecht ist. Der Blick auf das beleuchtete Schloss Schönbrunn mit einer Tasse in der Hand ist ein schöner Moment. Nur sollte man nicht erwarten, dort etwas zu finden, das es nicht auch am Spittelberg gibt.
Die kleinen, die niemand nennt
- Am Freyung: klein, alt, seit über vierzig Jahren, mit einem sehr guten Handwerksanteil.
- Der Markt im Alten AKH im 9. Bezirk. Studentisch, günstig, laut, sehr lustig.
- Servitenviertel, ebenfalls im 9. Es sind vielleicht fünfzehn Stände. Genau darum funktioniert es.
Praktisches, das den Abend rettet
Zum Punsch: Auf fast jede Tasse zahlt man Pfand, das man beim Rückgeben zurückbekommt. Wer sammelt, sagt das dazu, dann wird nicht doppelt kassiert. Und die meisten Stände nehmen inzwischen Karte, aber nicht alle – ein paar Scheine in der Tasche ersparen die Suche nach dem nächsten Bankomat.
Zur Anreise: Auto vergessen. Die Innenstadtbezirke sind kurzparkzonenpflichtig, und rund um die Märkte finden Sie nichts. Wiener Linien, U-Bahn bis zur nächsten Station, fertig. Die U2 zum Rathaus, die U1 oder U4 zum Karlsplatz, die U3 zum Volkstheater für den Spittelberg.
Zur Kleidung: Es ist kälter, als es sich beim Losgehen anfühlt, weil man drei Stunden lang praktisch steht. Warme Schuhe, dicke Socken, Haube. Die Wärme vom Punsch ist eine Illusion, das ist physiologisch nachweisbar und gefühlsmäßig trotzdem überzeugend.
Punsch, kurz und ohne Verklärung
Der meiste Punsch auf Wiener Märkten ist ein Fertigprodukt aus dem Kanister, erwärmt und mit ein bisschen Rum aufgegossen. Er ist süß, er wärmt kurz, und am nächsten Tag hat man Kopfweh, obwohl es nur zwei waren.
Es gibt Ausnahmen, und man erkennt sie an drei Dingen: Der Stand kocht sichtbar selbst, es gibt mehr als vier Sorten mit erkennbaren Zutaten, und der Preis liegt über dem Durchschnitt. Ein Maroni-Punsch, ein Zwetschkenpunsch mit echten Gewürzen oder ein Glühmost aus dem Mostviertel schmecken tatsächlich nach etwas.
Und für alle, die nicht trinken: Kinderpunsch ist meist genauso zuckrig. Fragen Sie nach heißem Apfel oder Tee mit Gewürzen, viele Stände haben das, schreiben es aber nicht an.
Ein Vorschlag für einen ganzen Abend
Beginnen Sie um vier am Karlsplatz, solange es hell wird und dann dunkel. Gehen Sie dann zu Fuß Richtung Innenstadt, über die Kärntner Straße, an der Oper vorbei, und schauen Sie sich unterwegs die Beleuchtung an – die Kärntner Straße, der Graben mit den Luster, die Kohlmarkt-Lichter. Das ist gratis und ehrlicher als jeder Markt.
Und dann, wenn die Füße wehtun, setzen Sie sich in ein Kaffeehaus statt an einen weiteren Stand. Ein Einspänner im Warmen, mit beschlagenen Fenstern und Leuten, die draußen vorbeihasten. Das ist der Dezemberabend, an den man sich im März noch erinnert.



