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Wandern & Natur

Die Wachau zu Fuß: Warum der Welterbesteig im Herbst am meisten hergibt

29. September 2025

Die meisten Menschen sehen die Wachau von unten. Vom Donauschiff aus, mit einem Spritzer in der Hand, während die Terrassen langsam vorbeiziehen. Das ist schön. Aber es ist ungefähr so, als würde man ein Haus nur von der Straße aus betrachten.

Der Welterbesteig Wachau läuft auf beiden Seiten der Donau, insgesamt rund 180 Kilometer, aufgeteilt in vierzehn Etappen. Niemand muss das am Stück machen. Die meisten machen es nicht.

Warum ausgerechnet jetzt

Im Frühling ist die Wachau überlaufen, weil alle die Marillenblüte sehen wollen. Im Juli steht die Hitze in den Terrassen wie in einem Backrohr - diese Trockensteinmauern speichern Wärme, das ist gut für den Riesling und schlecht für Sie.

Ende September dagegen: 18 Grad, klare Luft, und in den Weingärten wird gelesen. Man geht an Leuten vorbei, die seit sechs Uhr früh Trauben schneiden, und wird gegrüßt. Der Wald oberhalb von Dürnstein riecht nach feuchtem Laub und ein bisschen nach Pilzen.

Eine Etappe, die fast jeder schafft

Wenn Sie nur einen Tag haben: Krems-Stein nach Dürnstein und weiter bis Weißenkirchen. Rund 14 Kilometer, etwa vier bis fünf Stunden mit Pausen, gut 500 Höhenmeter im Auf und Ab. Kein Klettersteig, aber auch kein Spaziergang. Feste Schuhe, keine Turnschuhe mit glatter Sohle.

Der Weg beginnt harmlos am Ortsrand und zieht dann steil hinauf durch die Weingärten. Nach vierzig Minuten steht man an einem Punkt, an dem sich die Donau in einer weiten Schleife öffnet, und dann sieht man ihn: den blauen Turm der Stiftskirche Dürnstein, der aussieht wie aus einem Kinderbuch.

Oberhalb von Dürnstein liegt die Ruine, in der Richard Löwenherz angeblich eingesperrt war. Der Aufstieg dorthin ist kurz, aber ruppig, mit losem Schotter. Und er lohnt sich, auch wenn die Geschichte historisch ein bisschen zurechtgebogen ist.

Sicherheit: die unspektakuläre Wahrheit

Der Welterbesteig ist kein Hochgebirge. Trotzdem passieren hier jedes Jahr Unfälle, und fast immer aus denselben zwei Gründen.

  • Falsches Schuhwerk. Die Wege sind stellenweise felsig und nach Regen glitschig wie Schmierseife.
  • Zu wenig Wasser. Es gibt lange Abschnitte ohne Einkehr. Anderthalb Liter pro Person sind kein Übermaß.
  • Und die Zeit. Ende September wird es kurz nach sieben dunkel, und in der Dämmerung sieht ein Weingartenweg plötzlich aus wie jeder andere Weingartenweg.

Nehmen Sie eine Stirnlampe mit, auch wenn Sie sicher sind, dass Sie sie nicht brauchen. Sie wiegt nichts.

Was auf dem Teller landet

Die Wachau ist eine Weinregion, und das merkt man beim Essen. Grüner Veltliner und Riesling kommen hier von den Steilterrassen, und die Unterschiede zwischen Steinfeder, Federspiel und Smaragd sind keine Marketingerfindung, sondern eine regionale Klassifikation nach Alkoholgehalt und Reife.

Für die Wanderung selbst: In den Heurigen und Buschenschanken entlang der Strecke gibt es das übliche, sehr gute Programm - Aufstrichbrote, Grammelknödel, Bratlfettn. Nichts davon ist leicht. Planen Sie die große Jause an das Ende der Etappe, nicht in die Mitte. Ich habe diesen Fehler einmal gemacht und die zweiten sieben Kilometer bereut.

Was man unterwegs sieht, wenn man hinschaut

Die Trockensteinmauern in den Terrassen sind das eigentliche Bauwerk dieser Landschaft. Sie wurden über Jahrhunderte ohne Mörtel aufgeschichtet, halten die Erde am Hang und speichern tagsüber Wärme, die sie nachts an die Reben abgeben. Wer eine davon berührt, spürt am Nachmittag noch, wie warm der Stein ist.

Zwischen den Mauern leben Eidechsen, Wildbienen und die Smaragdeidechse, die hier eines ihrer nördlichsten Vorkommen hat. Ein grün leuchtendes Tier, das über einen Stein huscht und dann verschwindet, bevor man das Handy heraußen hat.

Und die Marillenbäume: Ende September hängen keine Früchte mehr, aber die Bäume stehen in den Gärten und an Böschungen, knorrig, oft alt. Die Wachauer Marille ist geschützter Ursprungsbezeichnung unterworfen, und die Marmelade, die man auf Märkten kauft, ist tatsächlich eine andere als die aus dem Supermarkt.

Anreise ohne Auto

Das ist der eigentliche Luxus dieser Region. Von Wien Franz-Josefs-Bahnhof fährt die Bahn nach Krems, Fahrzeit rund eine Stunde. Von dort weiter mit der Wachaubahn oder mit dem Bus entlang der Donau. Und wer erschöpft ist, steigt in Weißenkirchen einfach in das Schiff oder in den nächsten Bus und lässt sich zurückbringen.

Die Fahrpläne sind saisonal, und die Schifffahrt läuft nur bis in den Spätherbst. Ein Blick in die aktuellen Zeiten am Vorabend erspart das Warten an einer leeren Haltestelle.

Der Teil, den man nicht planen kann

Irgendwann an diesem Tag, wahrscheinlich zwischen zwei Weingärten, wird es sehr still. Kein Schiff, keine Straße, nur Wind in den Rebstöcken und weit unten das Wasser. Das dauert vielleicht drei Minuten, bevor wieder jemand mit Wanderstöcken um die Kurve kommt.

Aber diese drei Minuten sind der Grund, warum man nicht auf dem Schiff sitzt.

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