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Österreich

Wohin, wenn man Weihnachten einmal nicht daheim verbringen will

19. Dezember 2025

Es gibt Jahre, in denen die Vorstellung von Christbaum, Karpfen und Verwandtschaft eher Druck erzeugt als Freude. Manchmal, weil jemand fehlt. Manchmal einfach, weil man zwei Wochen lang gearbeitet hat wie ein Tier und nichts mehr organisieren will.

Dann wegzufahren ist kein Verrat. Es ist nur eine andere Entscheidung.

Das Ausseerland: Stille mit Blasmusik

Bad Aussee, Altaussee, Grundlsee. Die Gegend ist im Winter überraschend leer, weil sie kein großes Skigebiet hat und die Massen deshalb ins Ennstal oder nach Schladming fahren. Rund um den Altausseer See führt ein flacher Rundweg, gut sieben Kilometer, im Winter meist geräumt und begehbar. Am 24. am Vormittag trifft man dort vielleicht ein Dutzend Menschen.

Am Abend spielt in vielen Orten die Musikkapelle vor der Kirche. Man muss nicht hineingehen, um das zu hören.

Das Lesachtal in Kärnten

Wer wirklich weit weg will, fährt ins Lesachtal, dieses lange, schmale Tal zwischen Karnischen Alpen und Lienzer Dolomiten. Kaum Durchzugsverkehr, kaum Beleuchtung, sehr viel Nacht. Für Leute, die einmal einen Sternenhimmel ohne Lichtglocke sehen wollen, ist das der richtige Ort.

Der Preis dafür: Die Anreise ist mühsam, öffentlich nur mit mehrfachem Umsteigen und eingeschränkten Busverbindungen an Feiertagen. Wer ohne Auto kommt, plant besser einen längeren Aufenthalt als zwei Nächte.

Eine Therme, ganz ohne Programm

Die Thermen in der Steiermark und im Burgenland - Loipersdorf, Bad Waltersdorf, Bad Tatzmannsdorf, Stegersbach - haben über die Feiertage meist geöffnet, mit Ausnahme des 24. abends bei manchen Häusern. Das ist eine sehr unromantische, sehr wirksame Art, den 25. und 26. zu verbringen: sechs Stunden im Wasser, dazwischen essen, dann schlafen.

Zwischen den Feiertagen wird es dort voll. Der 24. und 25. selbst sind erstaunlich ruhig.

Ein Kloster, auch für Nichtgläubige

Mehrere österreichische Stifte nehmen Gäste auf, unabhängig von Konfession und Absicht. Stift Göttweig, Stift Melk, das Benediktinerstift Seitenstetten, das Zisterzienserstift Stift Heiligenkreuz im Wienerwald. Die Zimmer sind einfach, die Regeln überschaubar, und niemand fragt, warum man da ist.

Wer die Weihnachtsliturgie mitgehen will, kann. Wer nur im Kreuzgang stehen und dem Schnee zuschauen will, kann auch das. Man sollte allerdings früh anfragen, weil die Zimmerzahl klein ist und die Feiertage der begehrteste Termin des Jahres sind.

Wien, wenn alle weg sind

Die unterschätzte Variante. Am 25. Dezember ist Wien eine andere Stadt. Die Geschäfte sind zu, die Innenstadt ist fast leer, und man kann über den Graben gehen, ohne jemandem auszuweichen.

Die Wiener Linien fahren an den Feiertagen nach Sonntagsfahrplan, die U-Bahn in der Nacht auf den 25. durchgehend. Viele Kaffeehäuser haben zumindest am 25. nachmittags oder am 26. offen, aber das wechselt jedes Jahr - vorher nachschauen, nicht darauf verlassen.

Und die Museen: Kunsthistorisches, Albertina, Belvedere und einige andere sperren am 25. oder 26. auf. Ein leeres Kunsthistorisches Museum an einem Feiertagvormittag ist eines der besten Erlebnisse, die diese Stadt zu bieten hat.

Wenn Sie zu zweit oder allein fahren

Es macht einen Unterschied, ob man die Feiertage allein verbringt oder zu zweit, und es hilft, das vorher ehrlich zu bedenken. Wer allein reist, sollte ein Quartier wählen, in dem abends jemand da ist. Ein kleiner Gasthof mit Wirtsstube ist besser als eine Ferienwohnung am Ortsrand, in der man das Licht selbst aufdreht.

Viele Landgasthöfe machen am 24. abends ein gemeinsames Essen für ihre Gäste, ohne Programm und ohne Zwang. Man sitzt an einem langen Tisch mit Leuten, die man nicht kennt, und das ist überraschend oft genau richtig.

Fragen Sie bei der Buchung direkt nach. Es steht selten auf der Website, weil es niemand als Angebot versteht, sondern als Selbstverständlichkeit.

Was Sie einplanen sollten

  • Am 24. schließen Supermärkte in Österreich meist zwischen 13 und 15 Uhr. Am 25. und 26. haben sie gar nicht offen, außer an Bahnhöfen und Tankstellen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel fahren an den Feiertagen nach Sonn- und Feiertagsfahrplan. Auf Regionalbuslinien heißt das oft: sehr wenig oder gar nichts.
  • Wer wandern will: Winterwanderwege sind markiert und geräumt, alpine Routen nicht. Lawinenlagebericht lesen, auf gesicherten Wegen bleiben, und bei Neuschnee lieber im Tal.

Der ehrliche Teil

Es kann trotzdem passieren, dass Sie am 24. um sieben Uhr abends in einem Hotelzimmer sitzen und es sich seltsam anfühlt. Das gehört dazu. Meistens dauert es genau eine Stunde, und dann geht man hinaus, und irgendwo im Ort läutet eine Glocke, und es ist gut.

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